Wieso altern wir?

By | 29. März 2017

Wieso altern wir?

Wieso altern wir? Altern gehört zum Leben genauso dazu wie Geburt, Pubertät und letztendlich der Tod. Die zum Altern dazu gehörenden Alterserscheinungen werden als eine zwangsläufige Folge betrachtet und weitestgehend akzeptiert. Alles nutzt im Laufe der Zeit ab, da sind in der Regel keine Ausnahmen zu verzeichnen. Die Abnutzung oder Alterung zu verzögern, wäre schon eine gute Option. Wenn die Zeit nur nicht so rasen würde. Sind denn Alterung und Zeit irgendwie miteinander verbunden? Bräuchten wir alles nur langsamer zu erleben, um älter zu werden? Alles nur Theorie, solange wir Menschen uns sowieso zu wenig bewegen, um unseren Körper fit zu halten.

Auf jeden Fall läuft der Prozess der Alterung für jedes Lebewesen in einer anderen Zeitfolge ab. Mäuse sind nach schon 2 Jahren alt. Bei Hunden ist davon auszugehen, dass 10 Jahre schon ein beachtliches Alter sind. Insofern sind Zeit und Altern für jedes Lebewesen in einer anderen Relation zu sehen.

Bei Bäumen haben wir noch ganz andere Beispiele. 1.000- jährige Eichen sind eigentlich nichts gegen die Kiefern der White Mountains in Kalifornien. Diese Bäume mit einem Alter von 5.000 Jahren setzen andere Maßstäbe. Wohnt ihnen das ewige Leben inne? Weit gefehlt!

Noch älter mit 11.000 Jahren, setzt »Coviella Mexicana«, ein Strauch oder Busch, ganz neue Marken. Diese Gewächse trotzen allen Witterungen und Verwitterungen.

Welches Geheimnis bergen sie in ihren Zellen?

Forscher haben bei einem 3.000 Jahre alten »Sequoia« Baum bei seinen Zellen die Entdeckung gemacht, dass der Baum tatsächlich höchstens 30 Jahre alte Zellen hat. Die abgestorbenen Zellen sind sofort durch neue ersetzt worden.

Diese stete Erneuerung führt nun zu der Frage, wie alt ist denn der Baum nun? 3.000 Jahre oder 30 Jahre?

Führt man den interessanten Gedankengang vom Prof. Robert Zwilling, Biologe an der Uni Heidelberg, weiter und überträgt das auf ein Auto zum Beispiel, entstehen weitere Fragen.

Ein Auto, das seit vielen Jahren genutzt wird und immer noch einwandfrei funktioniert trotz seines Alters, wird gern als Besonderheit beschrieben. Obwohl dabei bereits etliche Teile ausgetauscht und wesentlich neueren Datums sind.

Wie alt ist das Auto wirklich? Was für eine Perspektive! Einfach die Teile austauschen, die Alters- und Verschleißerscheinungen haben. Sichern wir so ein längeres Leben? Auf jeden Fall funktioniert die Zellerneuerung beim Menschen. Leider nicht so gewinnbringend wie bei den vorgenannten Bäumen.

Können wir uns auch Ersatz für das Gehirn vorstellen?

Die Frage beantwortet sich fast von allein. Das Gehirn als Schaltzentrum und Speicherort aller gesammelten Informationen eines Lebens ist individuell. Mit einer Transplantation eines Gehirns würden auch alle erhalten gebliebenen Informationen weitergegeben werden.

Wer möchte denn gern das gespeicherte Leben eines anderen Menschen weiterführen? Das eigene »Ich« ist verloren unwiederbringlich. Vielleicht ist es umgekehrt richtig? Ein Gehirn braucht einen neuen Körper-ist die Überlegung falsch?

Die Gesunderhaltung der Zellen und die Vorbeugung vor Alterungserscheinungen ist für die Forschung interessanter und jeder Mensch kann seinen eigenen Beitrag zur gesunden Lebensweise leisten.

Geheimnisse der Zellerneuerung erforschen

Mit dem Traum der Menschen ewig zu leben und leistungsfähig zu bleiben, haben kleine Süßwasserpolypen mit dem klassischen Namen »Hydra« nichts zu tun.

Aber sie können etwas, was Menschen noch nicht können.

So ein Wurm kann sich selber immer wieder erneuern, indem er jede abgestorbene Zelle am anderen Ende seines Körpers neu anbaut. Diese spezielle Zellenproduktionsstätte konnten die Wissenschaftler lokalisieren und im Versuch eliminieren.

Danach alterte der Wurm im Ablauf seines Lebens und verendete. Wenn wir uns vorstellen, dieses Prinzip würde für uns zutreffen, dann wäre es paradox. Alles was ein Gehirn speichert, ist bei der Zellerneuerung jeweils wieder verloren. Also wozu speichern?

Im Laufe der Evolution haben die Gehirne der Lebewesen ihre Veränderungen durchlebt. Die Zentralnervensysteme und besonders das Gehirn haben Nervenzellen, die einer Zellteilung nur in ganz speziellem Umfang unterliegen.

Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse haben allerdings bei der Stammzellenforschung im Bereich des Hippocampus spektakuläre Ergebnisse erbracht. Da, wo Gedächtnisleistungen angesiedelt sind, gibt es Regionen mit der Nervenzellenproduktion.

Quelle: http://www.spektrum.de/magazin/neue-nervenzellen-im-erwachsenen-gehirn/825557

Unsere gesammelten Erfahrungen werden in sehr komplizierten Verknüpfungsvorgängen der Nervenzellen gespeichert. Diese speziellen Verknüpfungen mit allen chemischen und physikalischen Vorgängen, die dabei eine Rolle spielen, zu erhalten, ist wohl der gangbare Weg.

Leider ist der komplexe Vorgang der Zellteilung mit vielen äußeren Einflüssen aus unserer Umwelt belastet. Die Zellteilung wird gestört und führt zu Zellen, die aus ihrer Art geschlagen sind– Krebszellen.

Diese und die Alterungsprozesse führen zum Tod.

Ewiges Leben erscheint das erstrebenswert?

Bei bleibender Gesundheit und Jugendlichkeit hat das schon seinen Reiz. Aber wo sollen denn die vielen Menschen hin? Die Erde leidet bereits unter Überbevölkerung. Millionen Menschen leiden Hunger und können in ihrer Heimat nicht bleiben. Dürrekatastrophen und Wassermangel beherrschen große Teile der Welt.

Ist die Diskussion über das ewige Leben gerecht?

Das Erreichen der Grenze unseres Lebensalters von 120 Jahren und das bei einer erträglichen Gesundheit, bei aller Bescheidenheit, sollte uns doch zunächst das Ziel sein. Ein wundervolles Zitat von Maurice Chevalier (einem französischen Entertainer 1888 -1972) hält uns einen Spiegel vor:

»Es gibt Millionen von Menschen, die sich nach Unsterblichkeit sehnen, die aber nicht wissen, was sie an einem verregneten Sonntagnachmittag anfangen sollen.«

Die Natur hat uns so viele Beispiele zum Alterungsprozess zu bieten. Verschiedener kann es gar nicht sein.

Vergleichen wir Vögel in ihrem Körper und Stoffwechsel mit anderen Tieren, die ähnlich viel wiegen und verbrauchen, dann sind Vögel länger am Leben und produktiv. Bei Mäusen und Fledermäusen mit vergleichbarem Stoffwechsel und Körper fällt ebenfalls auf, dass die fliegenden Tiere älter werden.

Ein Paradebeispiel liefern die Weibchen der Eissturmvögel. Ohne Alterungserscheinung haben sie mit 40 Jahren noch Junge aufgezogen. Die höchste angenommene Lebenserwartung liegt bei diesen Vögeln um die 90 Jahre. Belegt sind durch Beringung der Vögel, die wieder aufgefunden wurden, Lebensalter von 43 Jahren.

Wenn wir Gesetzmäßigkeiten bei den Lebewesen in Bezug auf die Alterung zu Grunde legen würden, dann dürfte das Sturmvogelweibchen mit degenerativen Alterserscheinungen zu kämpfen haben, statt Junge aufzuziehen.

Altern gestoppt?

Ja, sehr gerne könnte man meinen, wenn es denn möglich wäre. Aber es gibt solche Beispiele. Hummer zeigen keine Einschränkung bei Fortpflanzung und Wachstum, wenn sie älter werden bzw. länger leben.

Fazit – Wieso altern wir?

Bislang gibt es jedenfalls für uns Menschen und artverwandte Säugetiere keine Entwarnung, was das Altern betrifft. Die Alterungserscheinungen bekommen alle mehr oder weniger ausgeprägt. Insofern fühlen wir uns von der Natur etwas vernachlässigt. Ohne die Alterungserscheinungen ist Altern ja auch möglich.

Wir haben keinen Vorteil von der Seneszenz, was man ja vielleicht annehmen könnte. Die Evolutionsbiologen sind sich grundsätzlich zu einem Kerngedanken einig. Alterung ist nicht nützlich auch nicht vonnöten, aber dafür nicht auch nicht schädlich.

Um das zu verstehen, meinen die Experten, dass Alterung lediglich mit den Alterungserscheinungen in Verbindung gebracht wird. Degeneration als einzigen Fakt zur Alterung anzusehen, halten die Wissenschaftler für nicht angebracht. Positive Aspekte werden nicht Erwägung gezogen.

Die über Hundertjährigen mit aktivem Leben werden gern als Argument angeführt, dass die Methode »Defizithypothese« als alleinige Faktenlage nicht ausreicht. Nur Defizite mit dem Altern in Verbindung zu bringen, erscheint nach den jetzigen Erkenntnissen als nicht ausreichend.

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